Grußwort

DADADO – ein Zentralamt für den Dada-Salon in Dortmund

Eigentlich müsste man das obligatorische Grußwort für das bevorstehende Kunstprojekt mit einem lautmalerischen Poem á la Hugo Ball persiflieren:

Dadasalonu rhinozerossola tremonia
Gaga di bling bling
Gaga blung bong
Tremonia borussia ars kollpasa.

Doch der heilige Ernst der Dada-Rezeption verbietet derartigen respektlosen Schabernack. Immerhin hat sich eine Kongregation sach- und fachkundiger Dada-LiebhaberInnen aus Dortmund aufgemacht, ein großes Panorama der Dadabewegung und insbesondere des Dada-Salons von 1920 nachzuzeichnen. Darüber hinaus scheut sich der aufrührerische Kreis um Anette Göke, Richard Ortmann und Dieter Gawol nicht, ein künstlerisches Reenactment der einflussreichen Bewegung auszurufen. In ihrem Vorhaben steckt ebensoviel Witz wie ambitionierte Vorbereitung, damit die nachgespielte Dada-Messe im Künstlerhaus zum Erfolg werden kann. Ihre Legitimation ziehen die AkteurInnen aus der Tatsache, dass der Dadaist Richard Huelsenbeck dank seiner Kindheit und wegen seines Grabes trotz Jahrzehnte währender Abwesenheit mit Dortmund verbunden ist, während die Antikunst-Bewegung ansonsten historisch an Dortmund vorbei führte. Deren Spätfolgen allerdings lassen sich sehen, denn Fluxus, Happening und Performance als Dada-Kinder oder -Enkel fanden signifikant Eingang in die Sammlung des Museums Ostwall. Und so hat sich die Dortmund Dada, Fluxus und den Folgen verschrieben – aus Dortmund stammen schließlich auch Martin Kippenberger, Anna und Bernhard Johannes Blume und die ProtagonistInnen des Retrodada in unserer Stadt selbst. Möglicherweise ist eine Rückbesinnung auf die antimilitaristische, weltoffene und ironisch-spöttische Haltung des Dadaismus zugleich die angemessene Antwort auf die Renaissance von völkisch-nationalistischer, rassistischer und säbelrasselnder Politpropaganda dieser Tage.

Jedenfalls gratulieren wir dem DADADO Vorbereitungsteam für die inspirierende Initiative, außerdem zum 5.Geburtstag. Der Dank geht an alle Mitwirkenden, insbesondere an das Künstlerhaus, das domicil und den Kunstraum. Der internationalen DADA-Messe 2020 wünsche ich nachhaltigen Erfolg, um uns gegen das Irrwitzig-Böse zu immunisieren.
Und dann noch Richard Huelsenbeck:

„DADA-Schalmei“

Auf der Flöte groß und bieder
Spielt der Dadaiste wieder,
Da am Fluß die Grille zirpt
Und der Mond die Nacht umwirbt,
Tandaradei.“

Jörg Stüdemann
Stadtdirektor und Kulturdezernent der Stadt Dortmund

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